Ausbildung made in Germany

Markus Kamann, Geschäftsführer der Paderborner Gesellschaft für Projektierungs- und Dienstleitungsmanagement (gpdm) über die Fachkräfteausbildung in Schwellenländern nach deutschem Vorbild.

Ausbildung made in Germany

Ausbildung made in Germany ist insbesondere in Schwellenländern gefragt. Was sind die Gründe?
Gerade die aufstrebenden Märkte Lateinamerikas, Südostasiens und Afrikas brauchen für ihren Aufholprozess hochwertige Investitionsgüter. Beim Export in diese Länder sind das häufig niedrige Bildungsniveau und der eklatante Mangel an Fachkräften bislang ein großes Hindernis, gerade wenn es um erklärungsbedürftige Hightechprodukte aus Deutschland geht. Für fachgerechte Wartung, technisch anspruchsvolle Anwendungen in der Produktion und die Schulung von Zwischenhändlern müssen oft deutsche Experten eingeflogen werden – auf Dauer ist das ein immens kosten- und zeitaufwendiges Prozedere. Konkret betrifft dies vor allem die Bereiche Medizintechnik, Stahlproduktion, Automotive, Windenergie (onshore) und Verpackungstechnik.

Warum sollten deutsche Industrieunternehmen bei ihren Aktivitäten in Schwellenländern das Thema Ausbildung berücksichtigen?
Ein durchschnittliches Exportprojekt hat ein Investitionsvolumen von 300.000 Euro bis zu vier Millionen Euro. Um ihre Wettbewerbsvorteile zu sichern, braucht die deutsche Exportwirtschaft qualifizierte Mitarbeiter und Anwesender vor Ort. Daher entfallen von den Gesamtprojektkosten etwa zehn Prozent auf die Einarbeitung und Schulung. Wenn die deutschen Unternehmen auch in den Export von Bildungsstandards investieren zum Beispiel in ein Schulungszentrum, das Kurse nach Standards der deutschen Auslandskammern anbietet, wirkt sich das mittelfristig in erheblichem Maße kostensenkend aus. Dazu kommen weitere Vorteile: Beispielsweise findet die Ausbildung an den eigenen Maschinen statt. Die Schulungsmöglichkeiten liefern ein schlagkräftiges Verkaufsargument und schaffen Gelegenheit zur Kontaktanbahnung mit neuen Unternehmen.

Aktuelles Beispiel für Schulung nach deutschem Vorbild ist das Ausbildungszentrum für Lebensmittel- und Getränketechnik in Vietnam. Wie funktioniert die Zusammenarbeit?
Der vietnamesische Partner stellt die räumliche und einen Teil der personellen Infrastruktur, die deutschen Unternehmen die technische Ausstattung, gpdm bildet die Trainer aus, Wer die Ausbildung durchlaufen hat, wird von der Auslandshandelskammer in Hanoi geprüft.

Wird das Modell Bildungskooperation als Absatzförderung Schule machen?
Aufgrund der beschriebenen Fachkräfteproblematik, gerade in den Wachstumsmärkten, können wir eine signifikant steigende Nachfrage nach Modellen zum Bildungsexport verzeichnen. Schon heute wandelt sich die Exportwirtschaft und koppelt die Warenausfuhr verstärkt mit Qualifizierungsmaßnahmen für die lokalen Fachkräfte.

markets Ausgabe 05/2011 | Interview von Daniela Vaziri