“Formel 1 in der Schule”: Im Computermuseum wurden die Landesmeister ermittelt


Die Zwei-Sekunden-Flitzer

„Formel 1 in der Schule“: Im Computermuseum wurden die Landesmeister ermittelt

Einige Hundert Schüler sind im Vortragssaal des Heinz-Nixdorf-Museumsforum (HNF), einige haben sich um die zwei Teams versammelt die gleich ihren Mini-Formel-1-Wagen ins Rennen schicken werden. Die anderen blicken gebannt auf eine große Leinwand, die das Spektakel überträgt. Dann ertönt das Startsignal, es zischt laut, Schüler jubeln, dann ist der Spaß auch schon vorüber. Wer aber hinter die Kulissen schaut, erfährt, wie viel Arbeit im Wettbewerb „Formel 1 in der Schule“ steckt.

Teilnehmer aus ganz Nordrhein-Westfalen gehen im Computermuseum bei den Landesmeisterschaften an den Start. 37 Gruppen mit insgesamt 200 Schülern sind gemeldet.

Statt mit Benzin treibt die Schüler-Flitzer jedoch der Rückstoß einer CO2-Patrone an. Die Miniatur-Boliden werden damit bestückt, bevor sie an einem Nylon-Faden über die 20-Meter lange Gerade dreschen.

In die Wertung der Jury fließen aber nicht nur Reaktionszeit beim Auslösen und Fahrtzeit: Ein ganzes Paket an Kategorien beeinflusst ihr Urteil. Konstruktionsplanung, Bau und Lackierung des Wagens oder Präsentation in der Boxengasse sind Teil der Aufgaben. Seit September arbeiten die Schüler bereits an ihrem perfekten Rennofen, suchen Sponsoren für ihr Projekt.

Nadha Marie Fathi blättert in einem Portfolio, dass die Gruppe „Spee GP“ von der Friedrich-von-Spee-Gesamtschule angefertigt hat. Darin sind haarklein sämtliche Schritte bis zum fertigen Auto aufgeführt. Kostenplanung, Fahrzeugkonzept, Konstruktionsplan.

 

Beim Wettbewerb müssen die Schüler nicht nur einen aerodynamischen Rennwagen bauen. Organisation, Marketing oder Verwaltung sind ebenso gefragt. „Beim Rennen ist uns der Spoiler abgebrochen, das gibt Strafpunkte“, sagt Nadha geknickt. Und das bei 1,44 Sekunden Fahrtzeit und 0,13 Sekunden Reaktionszeit, eigentlich Top-Werte, wie sie sagt.

In den Wochen zuvor plagte sich ihr Team etwa damit herum, die Konstruktionsdaten des Flitzers vom Modellierungsprogramm auf die CNC-Fräse zu übertragen. Eine „Mordsarbeit“, wie die sechs Schüler berichten. Immerhin: Die Gesamtschüler, die zum ersten Mal antraten, wurden als beste Newcomer in ihrer Altersklasse (15 bis 19) ausgezeichnet.

Betreut wurden sie vom Physik-Lehrer Benjamin Eke (28). Drei Stunden in der Woche im Fachunterricht, dazu noch an zwei Nachmittagen plus Termine bei Sponsorenfirmen – die Nachwuchskonstrukteure haben ein hohes Pensum hinter sich.

Das Rennwagenprojekt habe er genutzt, „um Unterrichtseinheiten aufzuziehen“, erzählt Eke. Luftwiderstand, Reibung oder Beschleunigung seien etwa in Thema im Physik-Unterricht gewesen. „Die Anforderungen des Wettbewerbs sind vielfältig. Für jedes Talent ist etwas dabei, und man arbeitet im Team für ein gemeinsames Ziel“, beschreibt Eke.

„Ziel des Wettbewerbs ist es, junge Menschen für Berufe in technischen Bereichen zu begeistern“, erklärt Irmgard Rothkirch, Wettbewerbsbetreuerin des HNF, das mit der Paderborner Gesellschaft für Projektierungs- und Dienstleistungsmanagement (gpdm) den Renn-Wettstreit veranstaltet. Seit 2012 nähmen Teams aus OWL teil, andere Regionen aus NRW seien schon seit 2006 beim Mini-Flitzer-Rennen dabei.

 

Auffällig ist der hohe Mädchenanteil beim Wettbewerb. Nach Veranstalterangaben liegt der bei 25 Prozent – das ist ungewöhnlich, schien doch bisher solch ein Technologiewettbewerb traditionell männlich besetzt.

Als eines von zwei Mädchenteams nehmen die Racing Zebras vom Gymnasium St. Michael aus Paderborn teil. Auch sie haben einen langen Weg hinter sich: Nach Schwierigkeiten mit dem Modellierprogramm und dem Lack (Teammanagerin Nele Schünemann: „Der Lackierer hat was falsch gemacht, die Farbe hat Blasen geschlagen“) , langen Diskussionen über Farben und Form des Flitzers (Nele: „Mit sechs Mädels eine Entscheidung finden ist schwierig“), Sponsoren- und Werkstattsuche sind die jungen Damen froh, am Wettbewerb im Paderborner Computermuseum teilgenommen zu haben. „Das gemeinsame Arbeiten in Teams für ein Ziel“, findet Kollegin Maria Jakob, „das macht man im Unterricht sonst nicht.“

 

INFO – Die Gewinner

Der OWL Cup geht an das Thunderbolt Racing Team vom Gymnasium Steinhagen, das in der Junior-Klasse (11 bis 14 Jahre) antrat und dort auch bester Newcomer wurde. Insge-samt traten elf Teams aus Ostwestfalen-Lippe an, vier kamen aus  Paderborn. Spee GP von der Friedrich-von-Spee-Gesamtschule aus Paderborn wurde bester Newcomer in der Senior-Klasse (15bis19). Die ersten Ränge dominierten Teams aus Lüdenscheid: Velocity-Racing (Senior) und Rocket Racing (Junior) gewannen die Landesmeister-Titel ihrer Altersklasse.